Monday, December 21, 2009

German Translation


Für Familienangehörige und Freunde von Opfern von Gewaltverbrechen
**** Diese Informationen sind nur für eine allererste Reaktion. Es ist von größter Wichtigkeit, sobald irgend möglich eine dauerhafte, regelmäßige Therapie bei einer in Trauma-Therapie ausgebildeten Fachkraft (Berater/in, Therapeut/in oder Psychologe/in) aufzunehmen!****
Diese Informationen wurden von einem Therapeuten bereitgestellt, der sich auf die Behandlung der psychologischen Effekte von sexuellem und anderem Missbrauch bei Erwachsenen und Kindern spezialisiert hat und seit über 20 Jahren in diesem Bereich arbeitet. Der original Blog ist http://healingthegreensoul.com/ Alle hier wiedergegebenen Informationen stammen direkt aus diesem Blog oder von Ergänzungen dieser Person an anderen Stellen in diesem Forum.
Dieses ist eine Liste von ersten Reaktionen auf Personen, die psychologische Beeinträchtigungen durch Übergriffe, sexuellen Missbrauch, Folter oder Inhaftierung erlitten haben. Es ersetzt unter keinen Umständen professionelle Hilfe. Die Informationen richten sich an Freunde und Familienangehörige von Überlebenden solcher Gewaltverbrechen, die vor kurzem aus iranischen Gefängnissen entlassen wurden.
Diese Informationen sind frei zur weiteren Verbreitung. Wichtig ist, dass keine Informationen hinzugefügt werden. Wie mir mein Therapeutenfreund versicherte, können gut gemeinte, aber unsachgemäße Eingriffe von Personen ohne hinreichende Erfahrung und Ausbildung mehr schaden als nützen.
Aus meinen Erfahrungen als Kriegsveteran und als Begleiter und Teilnehmer der letzten zwei Monate hier kann ich dem nur voll zustimmen.
Diese Informationen sollen Familienangehörigen und Freunden helfen, die selber absolut unerfahren mit diesem Thema sind. Dabei ist es notwendig zu bedenken, dass in der Region des Persischen Golfs Vergewaltigungen hochgradig stigmatisiert sind und das Opfer häufig mehr verurteilt wird als der Verbrecher.
Übersetzungen in alle Sprachen sind willkommen.
(… ) einige tagesaktuelle, nicht themenbezogenen Schilderungen sind hier ausgelassen (d.Ü.)

Handlungsanleitung bei emotionalem Trauma in Folge von Missbrauch
  • Es ist völlig normal, sich benommen zu fühlen oder Stimmungsschwankungen zu haben. Dabei ist es wichtig, dass Angehörige und Freunde daran keine Kritik üben. Wenn Überlebende lebensmüde oder aber allgmeingefährlich zu sein scheinen, muss sofort professionelle Hilfe gesucht werden!
  • Für Überlebende ist es wichtig, dass sie nicht allein sind und Famileinangehörige und Freunde da sind, um sie/ihn zu unterstützen.
  • Eine der psychologischen Beeinträchtigungen durch Vergewaltigung, Folter und/oder Trauma ist der Kontrollverlust. Überlebende brauchen deshalb die Freiheit, so viel selbständig zu tun, wie sie in der Lage sind. Hören sie zu, wenn sie über das Erlebte reden möchten, aber zwingen sie sie nicht dazu. Ein solches Verhalten hilft ihr/ihm, Angst abzulegen und ein Gefühl von Kontrolle zurück zu gewinnen.
  • Professionelle Hilfe von einer in der Behandlung von Überlebenden ausgebildeten Person ist absolut notwendig. Je eher die Behandlung beginnt, je weniger schwerwiegend werden die Langzeiteffekte sein. Bei körperlichem und sexuellem Missbrauch ist darüber hinaus umgehende medizinische Hilfe unbedingt notwendig

  • Achten Sie auf das sogenannte "masking", einen abwesenden, leeren Gesichtsausdruck bei den Überlebenden. Dieser ist ein Zeichen für sogenannte "flashbacks" oder für für Dissoziation, also dem sich Trennen von der aktuellen Gegenwart trotz der Fähigkeit zu sprechen und zu handeln. Wird ein solches "masking" beobachtet, hilft nachfolgend Genanntes, um die Person im Hier und Jetzt zu halten:
    • Das Wiederholen bedeutungsvoller Worte wie z.B. "sicher" und "Zuhause".
    • Das sanfte Berühren der Person, wenn sie eine Berührung zulässt und nicht negativ darauf reagiert.
    • Das Halten von direktem Augenkontakt.

  • Wenn die Person Albträume hat oder schlafwandelt, wecken Sie sie nicht auf. Versuchen Sie, sie wieder ins Bett zu leiten. Beobachten Sie Überlebende während des Schlafwandelns, um zu verhindern, dass diese sich verletzen.
  • Es ist durchaus üblich, dass eine Person 6-12 Monate nach dem letzten Missbrauchsvorfall keine Symptome zeigt und sich gut fühlt, dann aber plötzlich Symptome wie z.B. Weinen, Schlafmangel, Angst- und Panikattacken entwickelt. Dies ist einer der Gründe, weshalb sofortige professionelle Hilfe nötig ist. Sie verhindert das Entwickeln solcher Symptome.
  • Sehr häufig sind die mit dem Missbrauch verbundenen Gefühle und Gedanken so stark, dass sie nicht in Worte gefasst werden können. Für Überlebende ist es eine Hilfe, Gefühle durch Schreiben, Zeichnen, Malen, Gedichte lesen, Formen & Gestalten oder andere kreative Tätigkeit zu äußern. Diese Tätigkeiten helfen Überlebenden außerdem, das Gefühl der Kontrolle zurück zu gewinnen.
  • Es kann passieren, dass Überlebende sich emotional von sich selbst, ihrer Familie und ihren Freunden distanzieren. Dieser Rückzug ist ein Schutzmechanismus, der hilft Zeit und Abstand zu gewinnen. Seien sie für Überlebende da, aber respektieren sie ihre Persönlichkeitssphäre. Sitzen Sie still zusammen mit ihr/ihm, essen sie gemeinsam, gehen sie gemeinsam spazieren. Damit schaffen Sie ein Gefühl von Sicherheit und Zugehörigkeit für Überlebende.
  • Bitte bedenken Sie, dass die Person kein Opfer mehr ist, wenn sie ihren Peinigern lebend entkommen ist. Sie ist dann ein sich nach einem Missbrauch erholender Überlebender. Vermeiden Sie daher Mitleid. Stattdessen preisen sie die Stärke, den Mut und den Einfallsreichtum, den die Person brauchte, um den Missbrauch zu überleben.
  • Vermeiden Sie es, ihre Vorstellungen davon zu äußern, was mit dem Verursacher des Missbrauches passieren sollte. Überlebende gewinnen ein Gefühl der Kontrolle, wenn sie selbst entscheiden, was mit dem Verbrecher geschehen soll.
  • Bestimmte Geräusche, Gerüche, Anblicke oder sogar Bewegungen können bei Überlebenden Erinnerungen an den Missbrauch auslösen. Dadurch können "flashbacks" und Dissoziationen hervorgerufen werden. Überlebende müssen solche Auslöser vermeiden, solange sie nicht mit professioneller Hilfe gelernt haben, solchen Auslösern gegenüber desensibilisiert zu reagieren.
  • Helfer/innen, Freunde und Familienangehörige sollen es vermeiden, ihre eigenen Gefühle auf die Erfahrungen von Überlebenden zu projizieren. Beispiel: Überlebende erzählen, mit einem Gummiknüppel geschlagen worden zu sein. Familienangehörige antworten: "Du musst doch durchgedreht sein in der Situation." FALSCH. Niemand außer der Person selbst weiß, wie diese sich gefühlt hat. Eine solche Reaktion nimmt Überlebenden das Recht, das zu fühlen, was immer sie/er möchte und die/der Überlebende ist vielleicht nicht in der Lage, mit diesen Gefühlen umzugehen.
Hilfreiche Reaktion: "Was hast du in dem Moment gefühlt?" Fragende sollten dabei bereit sein, jede Antwort von Überlebenden zu akzeptieren.
* Wenn Menschen für eine längere Zeit missbraucht wurden oder inhaftiert waren, entwickeln sie häufig das sog. Stockholm Syndrom, ein Überlebensmechanismus, bei dem eine positive emotionale Verbindung mit dem perpetrator aufgebaut wird. Aufgrund der involvierten Gedanken und Gefühle ist professionelle Hilfe von ausgebildeten Fachkräften notwendig, um gemeinsam mit dem Überlebenden das Stockholm Syndrom aufzuarbeiten.

  • Routine, Strukturen (gleichmäßige Abläufe) und Vorhersehbarkeit sind extrem wichtig, um mit dem Trauma einhergehenden Schock, Furcht, Angst und Unvorhersehbarkeit zu lösen.

  • Die Teilnahme an Gruppentreffen unter professioneller Anleitung mit anderen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, ist hilfreich, um Gefühle der Isoliertheit zu verringern und beim Auftreten von Gefühlen wie Scham und Schuld zu helfen.
  • Familienangehörige, Freunde und Unterstützer entwickeln nicht selten selbst ein sekundäres Trauma mit emotionalen Symptomen ähnlich denen der Person, die den Missbrauch erlebt hat (dieses gilt ganz besonders für Kinder, deren Eltern traumatisiert sind). Professionelle Hilfe und Unterstützergruppen sind auch hier eine Hilfe.

Besondere Überlegungen für Kinder

  1. Sexuell missbrauchte Kinder sind besonders gefährdet, da sie vorher noch nicht mit Sexualität in Kontakt gekommen waren. Ein Gespräch über "zulässige/ nicht zulässige" Berührungen hilft, die "persönlichen Bereiche" persönlich zu halten.

  1. Kinder zeigen häufig beim Spielen, was sie nicht verstehen. Missbrauchte und traumatisierte Kinder sollten beim Spielen von Ihresgleichen peers beobachtet und am Nachspielen des Missbrauchs gehindert werden. Es ist wichtig, dass traumatisierte Kinder mithilfe von professionellen Helfern, die auf Trauma-Therapie spezialisiert sind, eine angemessene Interaktionsfähigkeit mit anderen Kindern erlernen.

  1. Kinder haben in der Regel keine Worte, mit denen sie über das Erlebte oder ihre diesbezüglichen Gefühle sprechen könnten. Ermuntern Sie sie zum Malen, Zeichnen oder Puppenspielen, um ihnen eine Möglichkeit zu geben, sich vollständig über das Erlebte und ihre Gefühle mitzuteilen.
  1. Helfen Sie dem Kind, eine Person seines Vertrauens zu finden, zu der es gehen kann, wenn es sich nicht sicher fühlt. Es kann eine Hilfe sein, wenn das Kind ein Foto dieser Person oder einen Gegenstand, der an diese Person erinnert, bei sich trägt. Besonderes Spielzeug, wie z.B. Puppen. Stofftiere oder Action Figuren, ist in dieser Hinsicht ebenfalls hilfreich.
Am allerwichtigsten bei der Hilfe für Überlebende eines Missbrauchs, einer Vergewaltigung, von Folter oder Inhaftierung ist es

zu glauben, was diese Ihnen von ihren Erlebnissen erzählen.

**** Diese Informationen sind nur für eine allererste Reaktion. Es ist von größter Wichtigkeit so bald irgend möglich eine dauerhafte, regelmäßige Therapie bei einer in Trauma-Therapie ausgebildeten Fachkraft (Therapeut/in oder Psychologe/in) aufzunehmen!****

3 comments:

  1. Thanks for your share! very impressive!

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